Ahmad aus Damaskus, Syrien

Ahmad Fotograf

»Unterscheiden Sie schlechte Moslems von uns!«

Ahmad ist Fotograf aus Syrien. Der 29-jährige hat alle Fotos für unser Projekt gemacht. In seiner Heimat hatte er ein eigenes Fotostudio – in Rastatt arbeitet er als Leiharbeiter in der Industrie. Sein beruflicher Traum ist in Syrien begraben. Jetzt träumt er von einem „sicheren und guten Leben“ in Deutschland. Denn in Syrien war er gezwungen, in dem sinnlosen Krieg mitzukämpfen. Immer den Tod vor Augen. Schließlich konnte er in den Libanon fliehen, von dort in die Türkei. Die nächste Etappe war seine größte Überwindung: Als Nichtschwimmer in ein Boot zu steigen und das Mittelmeer zu überqueren. Der erste Anlauf scheiterte und nach 50 Metern kippte das Boot um und ging unter. Zum Glück konnte er sich retten. Beim zweiten Versuch klappte die Fahrt, und die Flüchtigen kamen heil in Griechenland an. Das waren die einprägsamsten Momente seiner Flucht, erzählt er stockend.

Vor zweieinhalb Jahren landete er in Deutschland. Von Anfang an wollte er Deutsch lernen. Er wusste, dass ein gutes Leben nur über die Sprache funktionieren kann. Im Deutschkurs lernte er neue Menschen kennen, auf der Arbeit weitere. Er fühle sich nicht mehr fremd und ist dankbar dafür. Deutschland, sagt er, gibt ihm eine Perspektive und vor allem Sicherheit. Allerdings glaubt er nicht mehr daran, es als Fotograf in Deutschland zu schaffen. Und wovon träumt er dann? Was für ihn zählt, ist die Familie und ihr Wohlergehen. Er wünscht sich, dass sie es eines Tages schafft, hier herzukommen. Bis dahin hofft er, dass die Flüchtlinge den Islam vorbildlich repräsentieren, sodass der ein oder andere misstrauische Einheimische Geflüchtete nicht wegen der Religion verurteilt.

Er sieht, dass viele Deutsche Angst vor dem Islam haben. “Religionen sind von sich aus gut, es sind böse Menschen, die alles in den Dreck ziehen”, sagt Ahmad. Den intoleranten Bürger würde er gerne fragen: “Kennen Sie etwa keinen Christen, der böswillig ist?” Es werde wohl nie eine Gesellschaftsform oder Religion geben, die nur friedliche Anhänger habe. Deshalb will er, dass Menschen ihren Grips nutzen und jeden als Individuum kennen lernen möchten. Mit jeweils eigener Geschichte und eigenen Träumen. Dann würden viele erkennen, dass viele Flüchtlinge nur ein sicheres Leben suchen – so wie sie selbst womöglich auch. Natürlich gebe es auch Schmarotzer, die nur das Geld wollten ohne zu arbeiten, ohne sich in Deutschland einzubringen und Menschen kennenzulernen. Deshalb der Appell im Sinne aller engagierten Migranten: Unterscheiden Sie diese von uns!

Kevin Bernowski

Kevin Bernowski

Jahrgang 1997. Nach seinem Abitur an der Anne-Frank Schule in Rastatt studiert er nun in Karlsruhe Mathematik. Kein Wunder: Er ist Träger des Mathematikpreises seiner Schule. Als Hobbysportler und Optimist geht er zielstrebig durchs Leben und schmunzelt gern über die politischen „Stammtisch-Phrasen“ der älteren Generation in seinem Fitness-Verein. RAVOLUTION bedeutet für ihn, den Schreibdrang zu stillen und die Gegenwart mitzugestalten.